"Aktion Schäßburg" - Siebenbürgenhilfe der Lions endet nach 35 Jahren
Mehrere Zehntausend Euro spendet der Lions-Club Biberach jährlich an soziale und kulturelle Projekte in der Region und weit darüber hinaus. Ein langfristiges Projekt war auch immer die sogenannte Siebenbürgenhilfe. Nach 35 Jahren läuft dieses Projekt nun langsam aus. Mit der „Aktion Schäßburg“ wurden jährlich ältere und bedürftige Menschen sowie Krankenhäuser finanziell und materiell unterstützt. Da sich die Situation dort in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat, kann der Lions-Club Biberach sich nun auch weiter auf andere Projekte konzentrieren.
Seit 37 Jahren engagiert sich Dr. Hans-Otto Dumke bereits bei den Biberacher Lions, er war dort auch auch seit 1995 Siebenbürgenbeauftragter und kennt die Situation vor Ort genau. In den vergangenen 35 Jahren konnte in der Stadt Schäßburg für die dort lebenden Menschen viel bewegt werden, auch dank der finanziellen Unterstützung aus Biberach.
Erster Hilfstransport im Jahr 1989
Als das Regime von Nicolae Ceausescu im Jahr 1989 gestürzt wurde, hatten die Menschen dort trotz des Endes der kommunistischen Diktatur schwere Zeiten. „Ich erinnere mich noch gut daran, als der Lions-Club Biberach kurz darauf gemeinsam mit der VHS Biberach den ersten Hilfstransport organisiert hatte“, erzählt Hans-Otto Dumke. Aus Biberach gab es persönliche Beziehungen nach Schäßburg und so kam diese wichtige Hilfsachse für die Siebenbürgen Sachsen zustande, die ein paar Jahrzehnte anhalten sollte.
Die „Paketaktion“ wurde zunächst vom Lions-Mitglied Frieder Mutschler in Zusammenarbeit mit der Volksuni Hermannstadt (Siebenbürgen) gegründet. „Die Pakete, die von Freunden der Volkshochschule Biberach und dann bald auch von Lions-Familien gepackt wurden, sind anfangs jährlich mit Lastwagen nach Schäßburg gefahren worden“, erzählt Dumke. Später wurden die Pakete dann in Schäßburg gepackt und und vom Lionsclub finanziert.
Langjährige Freundschaften nach Schäßburg
Neben zwölf Hilfstransporten für die dortige Psychiatrie und einige Krankenhausabteilungen, gab es auch Hilfsgüter auch für die deutschsprachige Bergschule in Schäßburg, in denen sich beispielsweise Möbel, Küchengeräte, Schreibmaschinen, Computer und Bettwäsche befanden. Zusätzlich gab es in den vergangenen 35 Jahren auch immer wieder Besuchsfahrten von Biberach nach Schäßburg. „Es haben sich einige persönliche und langjährige Freundschaften gebildet“, sagt Dumke.
Dass die finanzielle Unterstützung nun bald nicht mehr nötig ist, sei auch ein gutes Zeichen dafür, dass die Unterstützung aus Biberach erfolgreich war. Zudem sei es aber schon so, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse allgemein in Rumänien/Siebenbürgen deutlich verbessert hätten und die in Rumänien gebliebenen Siebenbürgen Sachsen in Schäßburg immer älter werden und viele bereits gestorben seien. Zeit also für den Lions-Club Biberach, sich langsam zurückzuziehen.
Neue Projekte bei den Lions
„Wir haben die Menschen in Schäßburg immer gerne unterstützt“, sagt Stefan R. Mayer, Präsident des Lions-Clubs Biberach. „Und es ist auch schön, wenn eine Hilfe glückt und irgendwann enden kann.“ Zudem gebe es immer wieder neue Projekte, die lohnenswert seien, unterstützt zu werden.
Um 1930 hatte Siebenbürgen im engeren Sinne rund 2,7 Millionen Einwohner, davon waren 46 Prozent Rumänen, 23 Prozent Ungarn und etwa zehn Prozent Deutsche, genannt Siebenbürgen Sachsen. Als weitere Minderheiten sind noch Armenier, Juden und Roma erwähnenswert. Bei der letzten Volkszählung in ganz Rumänien im Jahr 2002, also 72 Jahre später, gab es bei insgesamt 7,2 Millionen Einwohnern nur noch 0,73 Prozent Deutsche. Von den 60.000 Deutschen in Rumänien stellen die Siebenbürgen Sachsen heute nur noch 14.000 dar. Nach dem Ende des Kommunismus 1989 gab es riesige Auswanderungswellen deutschstämmiger Rumänen, vorwiegend nach Deutschland, aber auch in die USA, Kanada und in andere europäische Länder.
Zur Geschichte Siebenbürgens
Siebenbürgen liegt im Karpatenbogen. Das Gebiet wurde im zwölften Jahrhundert vorwiegend von Deutschen aus Moselfranken, dem Rheinland, Flandern, Luxemburg und Niedersachsen aufgrund von Bitten und Einladung des ungarischen Königs, Geza II, besiedelt. Das Gebiet hatte über die Jahrhunderte, meist durch Kriegswirren, verschiedene „Herren“: Ungarn, Osmanen, Habsburger, Rumänen, konnte aber meist einen großen Teil an Selbständigkeit bis zum Zweiten Weltkrieg behalten. Die Besiedlung des Banat und von Sathmar, Letztere vor allem durch Ravensburger und Biberacher, erfolgte vorwiegend Ende des 17. und 18. Jahrhunderts.